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Gesundheit

Die verschiedenen Formen der Laktoseintoleranz

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thierry
Geschrieben von thierry

Die Entstehung eines Laktasemangels kann unterschiedlich sein. In Abhängigkeit der Ursache wird daher zwischen folgenden Formen differenziert:

Kongenitaler (angeborener) Laktasemangel

…auch als Alactasie bezeichnet, ist eine sehr seltene, genetisch bedingte Form des Laktasemangels, der meist in Finnland beschrieben wird. Diese Form beruht auf einem autosomal-rezessiv vererbten Enzymdefekts, der vererbt wird. Betroffenen fehlt das Enzym Lactase bereits bei der Geburt. Sie müssen sich lebenslang konsequent laktosefrei ernähren. Die Symptome sind schwer. Durch massive und häufige Durchfälle besteht die Gefahr der Austrocknung (Dehydrierung), besonders bei Babys und Kleinkindern.

Entwicklungsbedingter Laktasemangel

…oder transistenter Laktasemangel findet sich bei Frühgeborenen, die in der 28. bis 32. Woche geboren worden sind. Laktase wird erst in der letzten Woche der Schwangerschaft gebildet, so dass Frühgeborene über keine ausreichende Enzymaktivität verfügen und die Laktose der Muttermilch nicht abbauen können. Über die Verträglichkeit von Laktose im Erwachsenenalter sagt dieser Enzymdefekt jedoch nichts aus, da sich mit zunehmender Reife und je nach Genotyp die Fähigkeit, Laktase zu bilden, normalisieren kann.

Primäre genetische adulte Hypolactasie

…bezeichnet die im Laufe des Lebens sinkende Effektivität der Laktase. Dabei verringert sich die Laktaseaktivität mit steigendem Alter. Sie beruht auf einem Polymorphismus des LCT-Gens, der bei dem CC-Phänotyp zu einer kontinuierlich abnehmenden Spaltungseffektivität der Laktase im Laufe des Lebens führt. Dieser Gendefekt wird autosomal rezessiv vererbt.
Bei Säuglingen ist die Laktasemenge während der Stillzeit am höchsten. Hier hat die Natur sichergestellt, dass die Muttermilch gut vertragen wird. Die nach der Stillzeit beginnende genetisch bedingte Laktaseabnahme gilt im Laufe des Lebens als normal. Die Unverträglichkeit und deren Symptome steigern sich schleichend über viele Jahre, bis die Laktoseintoleranz dann voll ausgeprägt ist.
Die Hypolactasie ist weltweit der häufigste Enzymdefekt. In Deutschland beträgt die Prävalenz 15 bis 20 %. Neuere Studien zeigen, dass bis zu 25 % der Bundesbürger im Verlaufe ihres Lebens eine Laktoseintoleranz entwickeln. Aufgrund eines Nord-Süd-Gefälles wird in Nordeuropa mit einer Prävalenz von 2 % und in Südeuropa bzw. Mittelmeerraum von 25 bis 75 % gerechnet. Im Gegensatz dazu leiden bis zu 95 % der Afroamerikaner, Schwarzafrikaner (mit wenigen Ausnahmen) und asiatischen Völkergruppen an einem primären Laktasemangel. Schätzungen zu Folge sind insgesamt etwa 75 % der Weltbevölkerung betroffen.

Sekundärer Laktasemangel (Lactosemaldigestion)

…tritt als Folge von Krankheiten auf, bzw. als Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen, die zur Schädigung des Dünndarmepithels geführt haben, z. B. Zöliakie, Darminfektionen, Darmparasiten, Bestrahlung, entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn), schwerer Mangelernährung oder beim so genannten Kurzdarmsyndrom. Es kommt zu einer verminderten Absorptionsfläche und zur funktionellen Einschränkung der Laktaseaktivität. Diese Form bildet sich je nach Grundproblematik und bei erfolgreicher Behandlung der Grundkrankheit wieder zurück.

Bild:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Laktoseintoleranz-1.svg oder http://www.nahrungsmittel-intoleranz.com/laktoseintoleranz-informationen-symptome/ethnische-betrachtung-laktoseintoleranz.html

Quellen:
http://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/laktoseintoleranz.html

Verein für Laktoseintoleranz/Die Zeit

Über den Autor

thierry

thierry

Initiant und Gründer des Portals www.laktoseintolerant.ch als es noch kein grosses Nachschlagewerk oder Empfehlungsplattform gab.

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